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Bereits 1985 (!) haben Thomas Ebermann und Rainer Trampert als Manifest Ihres „realistischen Konzepts für eine radikale Partei“ die folgenden „12 Thesen“ aufgestellt, in denen es beispielhaft gelungen ist, die notwendigkeit eines ökologischen Konzeptes für einen internationalen, emanzipatorischen, gesellschaftlichen Wandel darzustellen. Diese Thesen, sowie eine ganze Menge anderer Erkenntnisse, die Ebermann und Trampert in Ihrem „realistischen Konzept“ darstellen, sollten Grundlage unserer Diskussion sein.

Die beiden Vordenker der ökologischen Linken haben in vielen weiteren Veröffentlichungen stets Ihre Kritik, am - sich ständig verändernden – System aktualisiert, die „Thesen“ bilden jedoch einen Ausgangspunkt, der Basis jeden neuen Konzeptes sein sollte.

Auszug aus :

Ökologische Krise und gesellschaftliche Umwälzung

Thomas Ebermann / Rainer Trampert 1985

 

Zwölf Thesen

1.)

Die Menschheit zerstört gegenwärtig Ihre natürlichen Lebensgrundlagen.

2.)

Die Zerstörung hat offensichtlich mit den inneren Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus zu   tun. (Zwang zu Wachstum, Akkumulation, rücksichtslos aus Gründen der Konkurrenz ). Dieser muß überwunden werden.

3.)

Der real existierende Sozialismus [ hat bewiesen] ..., daß eine bestimmte Überwindung des Kapitalismus, die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, keine Lösung der Krise der äusseren Natur erbringt.

4.)

Die notwendige Rettung menschlicher Lebensbedingungen in der äusseren Natur erfordert einschneidende Veränderungen in der Prodution und damit in den Konsumgewohnheiten der Mehrheit der Menschen in den industriellen Metropolen.

5.)

Die Emanzipation der Völker in der „Dritten Welt“ – deren spezifische Form von Ihnen selbst gewählt werden muß, ihre gesicherte Versorgung mit Nahrung, Wohnung sowie Menschenwürdiges Leben – trifft ebenfalls nicht nur das internationale Kapital, sondern erfordert in den Industriemetropolen ( jedenfalls aktuell ) ein anderes Konsummodell

6.)

Die Umweltzerstörung und die Lage der Dritten Welt fordern von der zukünftigen Gesellschaft Momente des bewussten Verzichts und Abschied von lieb gewordenen Gewohnheiten um andernorts menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, um aufgehäufte Schäden ( [Endlager, atomar/chemisch, Ölabbau, Meeresböden] Mülldeponien) abzutragen und um Unwägbarkeiten  / Störungen die im Produktionsprozess anfallen, zu verhindern.

7.)

Dieser Verzicht ist kein allgemeiner.
Eine egalitäre Gesellschaft,
-die den Reichtum der wenigen abschafft und gerecht verteilt,
-die die Produktion sinnloser Güter (Kriegsmaschinerie) ebenso abschafft / reduziert, wie
-die zu diesem System gehörenden „Dienstleistungen“  (Versicherungswesen )
und repressive Funktionen (Staatsapparat ) und
-die nicht auf die Herstellung von Gebrauchswerten verzichtet, weil die Profitrate nicht stimmt, die nicht Gebrauchswerte vernichtet, weil sie nicht profitabel am Markt untergebracht werden, 
-wird vieles auch materiell mehr als ausgleichen / beseitigen können, was dieses kapitalistische System an Armut, sozialer Unsicherheit und Überbeanspruchung der Arbeitskraft hervorbringt.

8.)

Rücksichtsvoller, die Zukunft antizipierender Umgang mit der Natur und dem eigenen Körper / Psyche, kann nur erfolgen, wenn die drohende nackte Materielle Not nicht alles andere erschlägt. Das setzt industrielle Produktion und Eingriffe in die Natur voraus.

9.)

Wichig ist jedoch : die heutigen Bedürfnisse gehören zum heutigen Gesellschaftssystem ( und seines Vorläufers ). Sie sind kritisierbar und veränderbar. Radikale Bedürfnisse, die etwas anderes sind, als eine Kopie der Lebens- und Konsumbedingungen der herrschenden Klasse, die unter anderem auf menschliche Kreativität, Gesellschaftlichkeit, Naturgenuss etc. Zielen, bilden heute schon wichtige Motive der Rebellion gegen dieses System.

10.)

Das Bedürfnissystem wird stark (nicht ausschließlich) geprägt von der Stellung des Menschen im Produktionsprozeß. Nur wenn hier der Zerstörung der menschlichen Gesundheit und seiner Kreativität Einhalt geboten werden kann, wenn hier so weit wie möglich, schöpferisches kreatives Arbeiten zurückerobert wird, ist eine schrittweise Wiederaneignung wahrhaft menschlicher Bedürfnisse möglich. Nur dieser Weg ermöglicht einer Gesellschaft ökologische Vernunft ohne despotisch diktatorische Maßnahmen des Staates gegen die Menschen.

11.)

Aus dieser Sicht ergiebt sich die Ablehnung der Produktivität als letzter Instanz der Bestimmung gesellschaftlicher Produktion. Die Stellung des Menschen im Produktionsprozess ( und die Auswirkungen auf die äussere Natur des Menschen ) werden zentral. Dies ist heute um so mehr möglich, als die Fähigkeit der Menschheit, in produktiver Auseinandersetzung mit der Natur ihre Lebensbasis zu reproduzieren, enorm gewachsen ist. Damit ist auch die objektive Freiheit gewachsen, den Zusammenhang von Arbeit und Leben neu zu bestimmen, ohne nur Mangel verteilen zu müssen.

12.)

Ebensowenig wie die Produktivität ist die "freie Zeit" - also die Verkürzung des Arbeitstages -  das alleineinige oder bestimmende Maß des gesellschaftlichen Reichtums.

 

 

 

Thomas Ebermann und Rainer Trampert 1985 in "Ökologische Krise und gesellschaftliche Umwälzung"