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Lexikon der Globalisierung

 

Was bedeutet eigentlich Natur?  

 

Natur ist die Grundlage menschlichen Lebens, wir müssen essen, atmen, wohnen.

 

In der Geschichte der Menschheit wurden gesellschaftliche Naturverhältnisse immer planbarer gestaltet, um Not zu entgehen und effizienter zu produzieren.  In der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft wird eine Tendenz zur Naturzerstörung dominant.

 

Der kapitalistische Weltmarkt und die ihn dominierenden Akteure versuchen, Natur in Wert zu setzen und damit in den Kapitalkreislauf zu integrieren. Gemäß technischer und sozialer Entwicklungen werden immer mehr Teile der Natur ökonomischen Kalkülen unterworfen, werden zur "Ressource".  Seit den 1970er-Jahren wird, zunächst katastrophisch, die ökologische Krise thematisiert.

 

Vorherrschend sind seit den 1990er-Jahren Strategien ökologischer Modernisierung.

 

Ein aufgeklärtes "Weiter so" nimmt zwar die ökologische Krise zur Kenntnis, versucht aber, sie mit den Mitteln zu bearbeiten, die eben für diese Krise mit verantwortlich sind: westliche, vor allem naturwissenschaftliche Rationalität, Steigerung der Produktivität ("Faktor 10"), der moderne "Norden" zeigt dem "Süden", wie es funktioniert.  

Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung entzieht sich dem nicht. Seit Rio 1992 wurde kaum Kritik an der herrschenden neoliberalen Globalisierung geübt. Regierungen, transnationale Unternehmen, Wissenschaftler und liberale nichtregierungsorganisationen haben sich zu einer Klasse globaler Ressourcenmanager verbündet, der es um eine effektivere Herrschaft über die Natur geht.  

 

Ein kritisches Naturverständnis thematisiert, dass Herrschaft über Natur und soziale Herrschaft aufs Engste miteinander verwoben sind.

 

Nicht "die" Gesellschaft, sondern ihre kapitalistische Verfasstheit sowie die damit verbundenen Interessen von Kapitalbesitzern, globaler Mittelklasse und von "brummender" Wirtschaft abhängigen Regierungen sind die Akteure naturzerstörerischer Entwicklungen.

Es existieren verschiedene, immer umkämpfte Formen des Umgangs mit Natur.

Ein guter Teil der gegenwärtigen Globalisierungskritik wird genau darum geführt, Teile von Natur wie Wasser, biologische Vielfalt oder den menschlichen Körper nicht Profitkalkülen zu unterwerfen.   

 

ULRICH BRAND   

Das Lexikon erscheint in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat von Attac jeden Montag  taz Nr. 7436 vom 16.8.2004, Seite 7 --  

 

Mailingliste der  Attac-AG Ökologie und Globalisierung

http://www.attac.de/oekologie

 

 

Aus: http://www.taz.de/pt/2004/08/16/a0130.nf/text