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der Inhalt dieser Seite ist nicht zu verwechseln, mit der Internetseite http://www.marktende.de/  Es handelt sich um einen Text von Gerhard Branstner aus 2005

Woran stirbt der Kapitalismus?

"An sich selber !",  meint Gerhard Branstner,  "Jede historisch relevante Erscheinung hat die entscheidende Ursache ihres Entstehens und Vergehens in sich selber. "

"Das ist eine marxistische Erkenntnis, die unsere Marxisten allerdings schlechtweg vergessen haben. Nach ihnen hatte der Kapitalismus sein Ende entweder per Revolution oder ökonomischem Kollaps. Das waren gleich zwei Irrtümer. Das alte römische Reich starb in sich und an sich 300 Jahre lang. Der Kapitalismus ist mehr als ein Reich. Wie lange geht er in sich und an sich unter?

Wann er untergeht, kann keiner sagen, wohl aber können wir sagen, woran er untergeht.  

Da ist ersten die soziale Verelendung. Ohne Gegner hat der Kapitalismus ein schweres Handikap. Und der "reale Sozialismus" war der ideale Gegner. Am wirklichen Sozialismus wäre er gescheitert, der "reale" hingegen zwang ihn akkurat zu den ihm dienlichsten Verhalten, zu ein ihm wesensfremden Verhalten, zur sozialen Marktwirtschaft, zum "Sozialstaat". Mit dem Wegfall des "realen Sozialismus" ist der kapitalismus auf sich selbst zurückgefallen, und das war das Dümmste, was ihm passieren konnte.

In seiner Dummheit hat er sich den Terrorismus als Gegner geschaffen. Und das ist Selbstmord auf Raten, denn der Terrorismus zwingt ihn nicht zur sozialen Marktwirtschaft, zu einem seinem Wesen fremden Verhalten. Im Gegenteil kostet er ihm mehr Geld, als es der Rüstungsindustrie Gewinn bringt. Das ist der Umschlag vom Vietnamkrieg zum Irakkrieg. Wenn der Kapitalismus aber nicht mehr zur sozialen Marktwirtschaft gezwungen wird, wenn er den Reichen gibt, was er den Armen nimmt, trocknet er die Kaufkraft aus und stranguliert den Binnenhandel (und die kulturelle Kreativität).

Das ist wieder Selbstmord auf Raten, denn der Binnenmarkt ist das wichtigste Standbein des Kapitalismus. Die verringerte Kaufkraft (im Verhältnis zur steigenden Arbeitsproduktivität) verursacht jedoch nicht mehr eine Überproduktion von Konsumgütern. Der Profit wird nicht mehr als Investition eingesetzt, sondern wird als "vagabundierendes" Kapital auf die Finanzmärkte geworfen. Anders gesagt, es wird in Unmengen überschüssiges Geldkapital produziert. Indem aber das überschüssige Geldkapital der Kaufkraft und der Investition entzogen wird, ist das ebenfalls Selbstmord auf Raten. Und wenn die immer größter werdende Blase des vagabundierenden Kapitals einmal platz, weiß keiner, was geschieht, denn dagegen gibt es keine systemimmanenten Regularien.  

Wenn der Profit aber nicht mehr investiert, sondern auf die internationalen Geldmärkte geworfen wird, entsteht statt der zyklischen (temporären) Arbeitslosigkeit die strukturelle (ständige) Arbeitslosigkeit (ein Verlust an Kaufkraft und Produktivität), wieder ein Selbstmord auf Raten.  Von dem ungeheuren Verlust der Potenzend er Dritten Welt ganz zu schweigen.  

Der schließliche Selbstmord aber ist die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Damit vergeht sich der Kapitalismus an dem ehernen Gesetz der Einheit von Mensch und Natur. Diese Zerstörung bedeutet die zunehmende Reduzierung der Kapitalverwertung ihrer natürlichen Bedingung. Die Kapitalverwertung ist aber der Lebensnerv des Kapitalismus.  Die Revolution kann nicht den Untergang des Kapitalismus bewirken, aber sie kann dem Untergang nachhelfen, um den zunehmenden Irrationalismus des Kapitalismus zu bändigen und ... [eine neue, dauerhaft tragfähige, global anwendbare Gesellschaftsform]  zu konzipieren. "

Gerhard Branstner  20.01. 2005