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Der tendezielle Fall der Profitrate

Eine Funktionsweise des bestehenden Wirtschaftssystems

Die Formel

"Es ist dies in jeder Beziehung das wichtigste Gesetz der modernen politischen Ökonomie und das wesentlichste, um die schwierigsten Verhältnisse zu verstehn. Ebenso ist es das, vom historischen Standpunkt her, wichtigste Gesetz. Es ist ein Gesetz, das trotz seiner Einfachheit bisher nie begriffen und noch weniger bewußt ausgesprochen worden ist.“
– Karl Marx: MEW 42, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, S. 641

Eine der zentralen Thesen von Karl Marx ist das "Gesetz" des "tendenziellen Falls der Profitrate".
Mit der Feststellung, dass die Profitrate der Industriellen, der Unternehmer - der Kapitalisten, wie Marx sie nennt - die Tendenz hat, zu sinken; legt Marx eine Grundlage für die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus dar. Diese These gilt ebenfalls als Grundlage für die Erkenntnis, das lohnabhängig Beschäftigte (Arbeiter) immer größerer Konkurrenz bei immer schlechteren Bedingungen ausgesetzt sind.

Die aktuellen Banken- und Konjunkturkrisen in 2008 und den darumliegenden Jahren sind ein deutlicher Beleg für die Gesetzmäßigkeit dieser Erkenntnis.

Das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate hat Marx im 3. Band seines Hauptwerks
"Das Kapital" entwickelt. Es sagt aus, dass in der kapitalistischen Wirtschaft gesetzmäßig, also aufgrund von Eigenschaften der kapitalistischen Wirtschaft selbst, eine Tendenz zur Verringerung der Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt besteht.

Zur Erläuterung bedarf es zuerst die Klärung der Frage :

"Woher kommt der Profit?"

Der Profit kann nicht daher kommen, dass Konzerne, Industrielle und Unternehmer (Marx: "die Kapitalisten") untereinander tauschen, untereinander Waren kaufen und verkaufen, untereinander Geld leihen und verleihen. Zwar kann der einzelne Kapitalist den anderen betrügen, doch innerhalb der Kapitalisten ist dies ein Nullsummenspiel. Was der eine gewinnt, verliert der andere.

Anders bei den Lohnarbeitern. Sie verkaufen ihre Ware, die Arbeitskraft, zu ihrem Wert an die Kapitalisten. Für die Kapitalisten rentiert sich dieses Geschäft nur, wenn die Lohnarbeiter länger arbeiten, mehr Produkte herstellen, als zu ihrer eigenen Selbsterhaltung notwendig. Die geleistete unbezahlte Mehrarbeit, das Mehrprodukt, ist eine Gratisleistung an die Kapitalisten, bewertet ist es der Mehrwert.

Mehrwert kann also nur aus Lohnarbeit gezogen werden.

Der Wert der angewandten Maschinerie wird nur via Abschreibungen in den Produktionswert übertragen. Maschinen oder ihre Leistungen werden von Kapitalisten an Kapitalisten verkauft. Sollte dabei ein Kapitalist etwas gewinnen, ist dies der Verlust eines anderen Kapitalisten. Für die Kapitalisten in ihrer Gesamtheit kann durch Kauf und Verkauf von Maschinen und ihrer Leistungen kein neuer Wert, schon gar kein Mehrwert, entstehen. Mehrwert kann nur entstehen, weil Lohnarbeiter ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen und dies unter der Bedingung, dass sie diesen einen Mehrwert schaffen.

Marx erläutert, dass man den Arbeitstag in zwei Bestandteile zerlegen kann. Ein Teil umfasst die Zeit, während der der Arbeiter den Wert seiner eigenen Arbeitskraft reproduziert (notwendige Arbeit), der Rest des Arbeitstages - die darüber hinaus gehende Zeit - stellt überschüssige Arbeit oder Mehrarbeit dar.

Die Mehrwertrate ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen diesen beiden Bestandteilen. Wenn beispielsweise ein achtstündiger Arbeitstag in vier Stunden notwendige und weitere vier Stunden Mehrarbeit aufgeteilt wird, dann beträgt die Mehrwertrate 4/4 bzw. 100 Prozent.

(Allerdings -  An einem aktuellen Beispiel hieße dies: Ein Fräser stellt Zylinder her. Jeden Tag acht Stück, in jeder Stunde einen. Er verdient monatlich EUR 2000, kostet den Unternehmer mit Steuer und Versicherung ca. EUR 30 pro Stunde. Dazu kommt der Materialwert von ca. EUR 30 pro Stück. Verkauft werden die Zylinder für EUR 80 pro Stück.

Schon nach der Produktion des ersten Zylinders ist also die "notwendige Arbeit" getan und der Fräser produziert den Rest des Tages Mehrwert für den Unternehmer)

Die Profitrate hingegen errechnet sich aus dem Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten Kapital, das im Produktionsprozess zum Einsatz kommt. Das Gesamtkapital wiederum zerfällt in zwei Bestandteile: das konstante Kapital, d.h. die Produktionsmittel (Rohstoffe und Maschinen, die während des Produktionsprozesses benutzt werden) und jenes Kapital, das zum Erwerb der Arbeitskraft ausgelegt wird.

Die Profitrate ergibt sich also aus dem Verhältnis des Mehrwert zu dem im Produktionsprozess eingesetzten Gesamtkapital. Wenn das Gesamtkapital beispielsweise mit 100 angesetzt wird, bestehend aus konstantem Kapital in der Größenordnung von 80 und variablem Kapital von 20, und zugleich die Mehrwertrate 100 Prozent beträgt, was bedeutet, dass der Produktionsprozess einen Mehrwert von 20 hervorbringt, so ist die Profitrate 20/100 bzw. 20 Prozent.

Stellen also die Arbeiter eines Kapitalisten im Vergleich zu den Arbeitern eines anderen Kapitalisten überdurchschnittlich viele Produkte her, dann erhält dieser Kapitalist überdurchschnittlich viel Mehrwert, er erhält einen Extraprofit. Es besteht also ein gewisser Anreiz, wenn auch unter Beachtung der zusätzlichen Kosten, mehr in Maschinen zu investieren als in den Kauf von Arbeitskraft – wenn dies die Produktivität der Arbeiter so ausreichend erhöht, dass der Mehraufwand für zusätzliche oder bessere Maschinen wieder hereingeholt wird.

Wenn dann aber so mit dem technischen Fortschritt, mit der Automatisierung usw. immer mehr Lohnarbeit, die doch allein Mehrwert schaffen kann, durch immer mehr Maschinerie (konstantes Kapital) ersetzt wird, wird damit auch das allein ausbeutbare, also allein Profite schaffende Element relativ immer kleiner. Also sinkt langfristig die Profitrate als Verhältnis der Profite zum für den Kauf von Maschinerie usw. eingesetzten Kapital. Die Profite können absolut natürlich weiter steigen - und sie können, gerade weil immer bessere Maschinerie angewandt wird, auch auf Kosten der Konkurrenz steigen, die im Konkurrenzkampf zurückbleibt. Das wäre dann aber eben ein Steigen der Profitrate des einen Kapitalisten auf Kosten der vielen anderen - Surplus-Profite -, was an der allgemeinen Tendenz nichts ändert.

Der tendenzielle Fall der Profitrate ergibt sich daraus, dass mit steigender Arbeitsproduktivität der Anteil des konstanten Kapitals am Produktionsprozess wächst. Das heißt, der Anteil der zugeführten lebendigen Arbeit geht im Verhältnis zu den Produktionsmitteln, die sie in Bewegung setzt, tendenziell zurück. Da jedoch die lebendige Arbeit die einzige Quelle des Mehrwerts darstellt, folgt daraus, dass die Profitrate, die sich aus dem Verhältnis zum eingesetzten Gesamtkapital errechnet, tendenziell ebenfalls sinkt.

Der tendenzielle Fall der Profitrate ist die Triebkraft hinter der Entwicklung neuer Technologien und der Revolutionierung der Produktivkräfte, die Marx als Charakteristikum der kapitalistischen Produktionsweise bezeichnete.

 

Tendenzieller Fall der Profitrate - Die Formel

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