In einem auszugsweisen Vorabdruck von Jutta Ditfurths neuem Buch "Zeit des Zorns. Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft", in der "junge Welt" heißt es:
"Der Kapitalismus ist schon im Normalzustand
eine Katastrophe für Mensch und Natur. Es gibt ihn nicht ohne Profit und nicht
ohne Ausbeutung. Die beiden einzigen Quellen des Reichtums sind die
Arbeitskraft des Menschen und die Naturressourcen. Der Kapitalismus strebt
danach, sich diese Quellen allen Reichtums zu unterwerfen und sie maximal zu
verwerten. Daß der Mensch dabei ruiniert, um Glück und Gesundheit und oft genug
das Leben gebracht wird, daß die Natur dabei so vergiftet und zerstört wird,
daß der Mensch in ihr nicht mehr gesund leben kann, ist dem Kapital vollkommen
gleichgültig. »Die kapitalistische Produktion«, schreibt Karl Marx 1867 im
ersten Band des Kapitals, »entwickelt daher nur die Technik und Kombination des
gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen
des Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.«
Das Kapital plündert und zerstört durch ihre Nutzung diese beiden einzigen
Reichtumsquellen, immer auf der Jagd nach mehr Profit. Das ist sein Wesen, es
ist der kapitalistischen Produktion immanent. Das Gequatsche, daß alles
Schlechte nur an »gierigen« Bankiers und Managern läge, ist eben – Gequatsche. Gierig
sind sie zwar oft auch. Aber die Struktur der kapitalistischen Produktionsweise
zwingt sie zu dieser Jagd. Wer Mensch und Natur nicht maximal ausplündert,
verliert in der kapitalistischen Konkurrenz.
Nur Klassenkämpfe, nicht moralische Vorwürfe halten den Kapitalismus auf oder
mildern seine Zerstörungswut. Umso ungehemmter wütet er aber anderswo. Ihm
stößt keine Krise zu, er ist die Krise. Und irgendwo ist er immer, darüber
hinaus, in einer Krise. Das ist seine normale Verfassung: Menschen leiden und
sterben durch ihn. Meistens aber sind diese Opfer so weit weg von den
kapitalistischen Zentren, zu denen ja auch die Bundesrepublik gehört, daß man
sie ignoriert. Für Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen ist der
hundsordinäre Kapitalismus ohne jede offizielle Krise nichts als die
Katastrophe ihres gesamten Lebens: Wie Sklaven bewirtschaften sie
Großgrundbesitz, erschaffen den gesellschaftlichen Reichtum in irgendwelchen
Werkshallen der Welt, nähen die nächste Frühjahrsmode in Osteuropa, China oder
Vietnam. (…)"